Warum wir KEIN Recht auf Home Office brauchen

von Denis Suarsana

Smartphones, Tablets und die Cloud machen es möglich: Home Office und mobiles Arbeiten werden immer einfacher. Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer möchten zeitweise von unterwegs oder zuhause arbeiten. Und die Mehrheit der Unternehmen bietet ihnen das auch schon heute an. Die SPD möchte jetzt ein Recht auf Home Office einführen. Das ist unnötig und kann gerade KMUs erhebliche Probleme bereiten.

Die SPD begründet ihren Vorstoß damit, dass in einer DIW-Studie 40 % der befragten Beschäftigten angaben, ihren Job theoretisch von zuhause aus machen zu können, nur 12 % dies aber auch wirklich tun würden. Die theoretische Möglichkeit, von zuhause zu arbeiten, bedeutet aber noch lange nicht, dass das auch in der Praxis funktioniert und vor allem sinnvoll ist. In vielen Bereichen, z. B. in der Produktentwicklung, ist der persönliche Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen im Team unverzichtbar. Deshalb haben Unternehmen wie Yahoo oder IBM ihre zuvor großzügigen Regelungen zum Home Office in den vergangenen Jahren wieder stark eingeschränkt.

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Fakt ist, dass schon heute eine Mehrheit der Unternehmen ihren Beschäftigten ermöglicht, mobil zu arbeiten. Erhebliche Unterschiede gibt es aber mit Blick auf die Unternehmensgröße. Während 94 % der Großunternehmen und 83 % der mittelgroßen Firmen mobiles Arbeiten anbieten, sind es bei den kleinen Unternehmen nur 65 % und bei den Kleinstunternehmen (bis 9 Mitarbeiter) sogar nur 60 % (Destatis). Die Forderung nach einem Recht auf Home Office würde sich daher insbesondere gegen kleine und Kleinstunternehmen richten. Während viele größere Unternehmen bereits Betriebsvereinbarungen oder tarifvertragliche Regelungen zum mobilen Arbeiten haben, müssen kleine Unternehmen für jeden Beschäftigten im Home Office individuelle Lösungen finden.

Gerade kleinere Unternehmen stellen Home Office und mobiles Arbeiten jedoch vor enorme technische Herausforderungen. So muss der Heimarbeitsplatz technisch in das Büronetzwerk eingebunden werden. Hier stellt sich zwangsläufig auch die Frage nach einem sicheren Zugang, um Unternehmensdaten zu schützen. Für kleinere Unternehmen kann das mit erheblichen Kosten verbunden sein, insbesonders wenn entsprechende Hardware wie Laptops angeschafft werden muss. So könnte die Buchhalterin eines kleinen Handwerkbetriebs zwar theoretisch von zuhause aus arbeiten, der Handwerksunternehmer müsste ihr dafür aber erstmal die notwendige technologische Infrastruktur einrichten und ggfs. sogar Akten und Dokumente digitalisieren. Dazu kommen dann noch zahlreiche rechtliche Unsicherheiten, z. B. mit Blick auf den Beschäftigtendatenschutz, Arbeitsschutzfragen oder die Aufzeichnungspflichten bei der Arbeitszeit.

Das Bundesarbeitsministerium will noch in diesem Jahr einen Gesetzesvorschlag zum Recht auf Home Office vorlegen. Dabei scheint es auf eine Umkehr der Beweislast hinauszulaufen. Dann müsste ein Arbeitgeber in jedem Einzelfall begründen, warum er den Antrag auf Home Office eines Beschäftigten nicht annimmt. Dabei ist völlig unklar, welche Gründe für die Ablehnung eines Wunschs nach Home Office als legitim gelten würden. Das wird sich kaum abschließend in einem Gesetz regeln lassen. Die Folge wären unzählige Streitfälle vor den deutschen Arbeitsgerichten.

Der Umgang mit mobilem Arbeiten ist in den einzelnen Unternehmen höchst unterschiedlich. Was in einem Betrieb funktioniert, kann im nächsten schon wieder völlig abwegig sein. Gerade in kleinen Unternehmen herrscht häufig eine besonders starke Kultur des persönlichen Austauschs zwischen den Mitarbeitern vor. Die Entscheidung, ob und wie mobiles Arbeiten und Home Office in den einzelnen Unternehmen ausgestaltet werden, muss daher zwingend in den Betrieben selbst getroffen werden. Letztlich ist die Entscheidung über Ort, Zeit, Umfang und Art der Arbeit Teil des Weisungsrechts des Arbeitsgebers. Eine Einschränkung durch ein gesetzliches Recht auf Home Office wäre ein erheblicher Eingriff in die Unternehmensfreiheit. Viele Unternehmer haften mit ihrem privaten Vermögen. Dann müssen sie auch darüber entscheiden können, wie in ihrem Unternehmen gearbeitet wird.

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