Wofür brauchen wir überhaupt noch Schule?

von Denis Suarsana

Daniel Jung ist Deutschlands erfolgreichster Mathelehrer. Sein Klassenzimmer: YouTube. Im #futurework20-Interview erläutert er, wie Schule sich ändern muss und warum er auch unter Lehrkräften immer mehr Fans hat.

Daniel Jung, EduTuber und New-Learning-Experte

Knapp die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler nutzt YouTube, um sich den Stoff aus der Schule erklären zu lassen. Ist YouTube so gut oder Schule so schlecht?

YouTube ist perfekt, um sich Inhalte erklären zu lassen. Man findet dort mittlerweile Inhalte u.a. auch von hochdekorierten Universitäten, sodass man sich seinen Tutor aussuchen kann. Dazu steht das Video auf der Plattform ständig zur Verfügung, unabhängig von Ort und Zeit. Das passive Konsumieren ist zwar nur ein Teil eines effektiven Lernökosystems, aber es ist derzeit perfekt, um Lücken zu schließen und Prüfungen zu bestehen. Es deckt also eher auf, dass Schule nicht per se schlecht ist, sondern dass das System, nach dem man lehrt, überholt ist.

Wofür brauchen wir überhaupt noch Schule? Und wie muss sie sich ändern?

Schule ist per Definition ein Ort wo Lernende und Lehrende zusammenkommen und das wird sich nicht ändern. Im Gegenteil, zusätzlich können wir jetzt auch digital zusammen lernen und lehren, und die Präsenzphase viel besser nutzen als mit standardisierten Vorlesungen und dem Eintrichtern von Inhalten ohne Verständnis. Schule muss von Grund auf neu gedacht werden, was schon bei der Architektur beginnt. Infrastruktur vor Ort, digitale Lernumgebungen, Inhalte, Tagesabläufe, etc. müssen auf die neue Welt ausgerichtet werden. Hier brauchen wir frischen Wind und Mut für die Umsetzung und dafür, Dinge zu testen.

Bildung wird dank digitaler Tools und Angebote immer individueller. Dabei fallen viele Daten zum Lernverhalten von Schülerinnen und Schülern an. Wie lassen sich diese sinnvoll nutzen?

Vor allem um Lücken in speziellen Themengebieten zu identifizieren und passende Lernhäppchen vorzuschlagen. Passend kann zum Beispiel ein Lernvideo, eine Texterklärung oder auch der persönliche Tutor sein, der schnell digital vernetzt werden kann. Das kann zum entsprechenden Mastery Learning führen, also dem tatsächlichen Meistern eines Themengebietes. Das wird natürlich nur möglich sein, wenn diese Lerndaten auch an einer zentralen Stelle zusammenlaufen und sich nicht teilweise auf diversen Plattformen verlaufen.

Wie sieht aus Deiner Sicht die Bildungswelt 2025 aus?

Da kann man jetzt schon vor allem bei den großen Tech-Unternehmen reinschauen. Sowohl im digitalen Bereich durch das Nutzen von Plattformen wie Udacity, als auch im analogen Bereich in einer inspirierenden Lernumgebung vor Ort. Sicherlich wird in den kommenden Jahren Künstliche Intelligenz das gemeinsame wie auch individuelle Lernen optimieren. Jedoch wird es in einer datengetriebenen Welt vor allem um Dinge gehen, die uns von Maschinen unterscheiden. Kunst, Theater spielen, Vortragen, Teamarbeit, Verhandlungen führen, etc. werden in der Ausbildung eine immer größere Rolle spielen.

Du bekommst jede Menge Fanpost von Schülerinnen und Schülern, die es dank Deiner Hilfe durch die Matheprüfung geschafft haben. Wieviel Fanpost bekommst Du eigentlich von Lehrerinnen und Lehrern?

Auch hier bekomme ich in den letzten Jahren verstärkt positives Feedback, dass meine digitalen Lernangebote additiv zur Verbesserung des Unterrichts genutzt werden. Und noch viel interessanter: Immer mehr Lehrkräfte beginnen eigene Lernvideos zu produzieren und auf Plattformen bereitzustellen. Das war schon immer meine Intention, dass wesentlich mehr Menschen, Institutionen, Firmen, etc. das Internet nutzen und Bildungsinhalte teilen.

 

Daniel Jung ist New-Learning-Experte, EduTuber und Speaker bei der #futurework20. Mit rund 700.000 Followern und 250 Millionen Views gehört Mathe by Daniel Jung im Bereich Bildung zu den erfolgreichsten deutschsprachigen YouTube-Kanälen.

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